Pfarrer Jakob Ernst Koch und Kurator Adolf Anderl beauftragten den Architekten DI Oskar Sgustav mit der Planung und die Grazer Baufirma Franz Oswald mit der Bauausführung. Ein großes Problem war die Finanzierung, da die Pfarrgemeinde erst 1958 die Heilig-Geist-Kirche in Judendorf Strassengel errichtet hatte.

Mit Spenden der Firma Leykam, der Marktgemeinde Gratkorn, der Arbeiterkammer, der kirchlichen Hilfsvereine Baden-Württembergs, der Schweiz und Österreichs und der Spenden der - wie es im Originaltext heißt - „eigenen Pfarrkinder“, konnte der Bau finanziert werden. Für die künstlerische Innengestaltung der von außen recht schlichten Kirche mit einem offenen Glockenturm stiftete die Landesregierung eine Kreuzigungsgruppe des Bildhauers Erich Unterweger aus Lindenholz für die Altarwand sowie das Amborelief, das den „Michaelskampf“ darstellt. Die Glocke war ein Geschenk der württembergischen Flüchtlingspfarrgemeinde Friedrichshall bei Knochendorf.

Am Sonntag, dem 11. Dezember 1960 wurde die Michaelskirche feierlich eingeweiht. Beim Festakt überbrachte Landesrat Univ.-Prof. Dr. Koren als Vertreter der Landesregierung die Glückwünsche des Landeshauptmannes Krainer. Vizekanzler Dr. Bruno Pitterman kündigte in seinem Grußwort für 1961 die Novellierung der seit hundert Jahren bestehenden Protestantengesetze an, die „eine völlige Gleichberechtigung aller protestantischen Österreicher durch eine moderne Gesetzgebung gewährleistet“.

Der Grazer Pfarrer Gerhold übergab den Schlüssel an Pfarrer Koch und vollzog die Weihe, die musikalische Gestaltung übernahmen die Grazer Kantorei und der Posaunenchor der ev. Jugend aus Graz. Die Festpredigt hielt Pfarrer Hammer aus Knochendorf. 100 Personen konnten den Festakt in der Kirche miterleben, weitere 100 vor der Kirche. Anschließend fand für alle Teilnehmer ein „geselliges Beisammensein“ im Gratkorner Volksheim statt.

Damals und heute

Von 1960 an ging es rasch bergauf, wirtschaftlich und finanziell, die Bindung an die Gottesdienste in der Papierfabrik riss ab, Aufbruch und Freiheit waren angesagt und seit 1961 (Verabschiedung des Protestantengesetzes) hatte die Evangelische Kirche auch die rechtliche Gleichstellung mit den Katholiken erreicht. Das führte zu einem deutlichen Rückgang der Gottesdienstbesucher bald nach der Eröffnung der Kirche, waren es in den ersten Jahren noch bis zu 18% der möglichen Besucher, pendelte sich diese Zahl bei 2-3% ein - wie überall anders in von Industrie geprägten Orten. Eine „normale“ Situation also- doch gerade dadurch eine Situation, die die Erhaltung einer eigenen Kirche vor Ort, die nun zunehmend renovierungsbedürftig ist, mehr als in Frage stellt. Mit Stichtag 31.12.2009 gab es 220 Evangelische gegenüber ca. 400 im Jahr 1960, also knapp die Hälfte von damals, davon ein Gutteil Zugezogene, die die Kirche meist gar nicht kennen. Für manche ist dies eine traurige Entwicklung, für viele heute der Lauf der Dinge. Deshalb denken wir über einen Abschied von unserem Kirchlein nach.